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07. April 2006

"Gesunde Menschen krank machen"

Genmais: Erneut Podiumsdiskussion.

Vaterstetten - "Ich bin schockiert, wie schlecht die Verbraucher über Gen-Technik informiert sind," begründete Franz Lenz, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, am Mittwochabend auf dem Reitsberger Hof seine Aufklärungsarbeit. Zur Diskussionsrunde "Grüne Gentechnik - warum?" hatte Wolfgang Beer, Kreisvorsitzender der Freien Wähler, neben dem BBV-Funktionär noch einen Vertreter des Deutschen Imkerbundes sowie der Herrmannsdorfer Landwerkstätten eingeladen. Sie brachten ihre Argumente gegen die Veränderung des Erbmaterials von Lebensmitteln vor.

Im Gegensatz zur medizinischen Genforschung könne die Grüne Gentechnik, die sich ausschließlich auf Manipulation der landwirtschaftlichen Erzeugnisse bezieht, "gesunde Menschen krank machen", wie es Albrecht Pausen, Vorstandsmitglied des Deutschen Berufsimkerbunds, ausdrückte.

Unruhige Kühe mit kranken Kälbern.

Noch sei nicht ausreichend getestet worden, wie Tiere auf Gen-Futter reagierten. "Die bisherigen Tests dauerten nur 90 Tage. Wenn die Tiere überlebten, galten sie als gesund", argumentierte der Zornedinger Biobauer Franz Lenz. Es gebe Beispiele von unruhigen Kühen, die kranke Kälber zu Welt gebracht hätten. Lenz: "Anfangs hat man noch gedacht, man könne Gene einfach austauschen. Einfach einer Kartoffel das Blau eines Enzians einsetzen." Doch die Veränderung eines Gens habe weit reichendere Folgen, die nicht einzugrenzen seien. Die Technik sei zu wenig erforscht und der angeblich höhere Ertrag würde den Bauern auch nichts bringen. "Dann sinkt der Preis im gleichen Verhältnis," so Lenz.

"Fauth will Pionier sein".

Im Landkreis Ebersberg seien bisher 3,6 Hektar mit Gen-Mais bestellt. "Davon drei Hektar von Landwirt Richard Fauth," berichtete Beer. Vor einem Jahr habe Fauth noch nicht die Absicht gehabt, den sogenannten Monsanto-Mais anzubauen, erklärte Lenz, der sich mit ihm unterhalten habe. Er meinte, jetzt wolle Fauth wohl der "Pionier" sein. "Der wird es sich schon noch überlegen" , gab sich Gudrun Schweisfurth eher zuversichtlich. Dann wies sie auf die rechtlichen Folgen der Gen-Saat hin. Ein manipuliertes Saatgut ist mit einem Patent geschützt. "Wer diese Lizenz hat, kann sogar bestimmen, was mit der Ernte passiert," argumentierte Schweisfurth. In diesem Zusammenhang sah sie sogar die Unabhängigkeit des Staates gegenüber der Industrie in Ernährungsfragen bedroht.

Alle Referenten wunderten sich, dass die Politik die Gentechnik befürworte. Denn rund 75 Prozent der Bevölkerung sei gegen genmanipulierte Lebensmittel. db