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Mißlbeck Spaziergang

Es brodelt so aus mir heraus

Im Klenzepark mit Sepp Mißlbeck

Von Suzanne Schattenhofer Ingolstadt (DK)

Am Neujahrstag um 11 Uhr verabredet zu sein zu einem Spaziergang – das ist ein Termin, der einiges abverlangt. Kein Problem für Frühaufsteher Sepp Mißlbeck, der nicht länger als vier Stunden schläft. Selbst, wenn er vorher gefeiert hat.

Vielleicht liegt es an dieser gewissen inneren Unruhe, dass er nicht länger schlafen kann. Wer schläft, der sündigt nicht, heißt es zwar. Der schafft aber auch nichts. Und Mißlbeck ist einer, der gern schafft – am liebsten gleich mehrere Sachen gleichzeitig. Als er gestern eine halbe Stunde vor der verabredeten Zeit in der Redaktion anruft, um den Termin nochmals zu bestätigten, sitzt er schon am Schreibtisch.

Am Neujahrstag könne man ja gleich über seine guten Vorsätze sprechen, scherzt Mißlbeck beim Spaziergang durch den Klenzepark, den der „Weststaatler“ von der Gerolfinger Straße nur selten besucht. Einer dieser Vorsätze lautet: Nicht mehr so schnell fahren. Einer Richterin habe er einmal eher spaßeshalber als Entschuldigung gesagt, er habe sich halt so nach seiner Frau gesehnt. Das half ihm freilich wenig, und zurzeit ist er wieder „reuiger Sünder“. Privat lässt sich Mißlbeck übrigens prinzipiell von seiner Frau fahren, er liest dann nebenbei Zeitung und schläft irgendwann ein. „So kommen wir ganz entspannt und ohne familiäre Diskussionen an.“

Familiäre Diskussionen – ein gutes Stichwort. Schon als junger Bursche musste Mißlbeck zwischen seinen Eltern vermitteln, wenn der Haussegen schief hing. Und das passierte ungefähr alle zwei Wochen. Der Vater rief dann immer in Augsburg im Lehrlingsheim an und sagte es so: „Bua, der Herrgott hat wieder Kopfweh.“ Er sei sofort mit dem Zug hingefahren, erinnert sich der heute 63-Jährige.

Bei Kunst keine Berührungsängste: Sepp Mißlbeck findet es gut, wenn Plastiken wie diese von Alf Lechner den öffentlichen Raum beleben.
Versöhnungsritual

Es sei wie ein Ritual gewesen, so Mißlbeck. Zum Mittagessen habe die Mutter, die ihn stets sehr verwöhnte, nur für ihn und sich den Tisch gedeckt, woraufhin der Vater schimpfte, nur wenn der Bua käme, gebe es etwas Gescheites. „Dann haben sie übers Essen gestritten, sich langsam beruhigt und beim Nachtisch schon fast wieder geturtelt. Ich bin dann ins Büro, hab’ mir ein Taxi gerufen und bin mit dem Nachtzug wieder zurück.“

Er habe ein gutes Verhältnis zu seinem Vater gehabt. Der hatte zwar wenig Zeit. „Aber einmal in der Woche, immer sonntags, auf dem Fußballplatz, in der Halbzeit, sind wir die 600-Meter-Bahn entlanggegangen, und diese Viertelstunde, die hat nur mir gehört. Dann hat er mich angestupst und gefragt, was es Neues gebe“, erinnert sich Mißlbeck.

Bei einem dieser Gespräche fiel auch die Entscheidung, dass der Sohn seine schulische Karriere unterbrechen und stattdessen lieber eine Lehre als Formenbauer bei MAN in Augsburg machen solle. Mißlbeck schloss sie als Bester in Schwaben ab, absolvierte dann ein Ingenieursstudium und stieg anschließend in den Betrieb seines Vaters ein, obwohl er ein Angebot hatte, für BASF in den Senegal zu gehen.

Als Mißlbeck 30 Jahre alt war, starb der Vater – ein qualvoller Krebstod. Eine Erfahrung, die den jungen Mann stark prägte. Die letzten 37 Stunden habe er am Bett des Sterbenden gesessen und Geschichten erzählt von früheren Erlebnissen.

Sein Vater habe zu Lebzeiten immer ein Buch schreiben wollen. Eine Idee, die der Sohn mit sich herumträgt, für später. Geschichten und Anekdoten sollen es sein, wie es vor 20, 30 Jahren in Ingolstadt zuging, auch im Stadtrat. „Da ist noch richtig gestritten worden, aber anschließend ist man zum Gasthaus Merl rüber und hat ein Bier miteinander getrunken. Heute ist es ja schon ein mühsames Unterfangen, wenn sich der Stadtrat einmal im Jahr vor der Sitzungspause zum Essen treffen soll.“ Mißlbeck bemängelt die Versachlichung der Politik: Ihm fehlt das Emotionale.

Er selber – sein Sternzeichen ist der Stier – ist nämlich ein Gefühlsmensch. „Ich kann mich wirklich herzlich freuen, aber auch richtig grantig sein. Wenn das herausen ist, kann ich aber sofort wieder umschwenken. Damit hat meine Umwelt manchmal Probleme. Aus mir brodelt es halt so raus. Weil ich es mir leiste, diese Dinge auszuleben, bleibt aber auch nichts in mir hängen. Das ist nicht nur gesünder, sondern sich selbst gegenüber ehrlicher. Das hat etwas mit dem Alter zu tun: Ich muss mich nicht verstecken.“

Golf mit Zen

Ein wenig mit dem Alter hängt zusammen, dass Mißlbeck – einst leidenschaftlicher Leichtathlet – heute Golf spielt. Für ihn ist das „ein emotionales Spazierengehen“. Zurzeit liest er zur Stärkung seiner mentalen Kräfte sogar ein Buch über Golf mit Zen: „So richtig mit Andacht. Ich muss mich erziehen zu diesen Dingen.“ Dabei fällt Mißlbeck ein, dass er früher über 20 Jahre hinweg jeden Dienstagmorgen von fünf bis sechs Uhr Yoga gemacht hat, unter Anweisung von Sigmund Feuerabendt, der zu ihm ins Haus kam. „So richtig mit Sonnengebet und so.“

Freizeit, das habe für ihn immer mit Bewegung zu tun. „Aber Jessas, fast hätt’ ich es vergessen: Mein größtes Hobby ist ja das Kino. Meine Frau geht nicht mit, die mag keine dunklen Räume, aber allein kann ich auch nicht, denn sonst heißt es gleich: ,Bei Mißlbecks ist Krach zu Hause.’ Deshalb hab’ ich eine sehr schöne Sammlung daheim angelegt.“ Sein Lieblingsfilm ist „Marathon-Man“ mit Dustin Hoffmann. „Ich schau mir aber auch ,Pretty Woman’ an, wenn ich grad in der Stimmung bin. Da hast du zwei Stunden was erlebt und bist entspannt.“

Apropos Entspannung: Sepp Mißlbeck macht normalerweise höchstens eine Woche am Stück Urlaub. Deshalb plant er, auch das fast ein Vorsatz, heuer zwei, drei oder sogar vier Wochen lang wegzufahren. „Ich war vor fast 20 Jahren mal mit Freunden in Afrika im Okavango- Delta. Das war der schönste Urlaub meines Lebens: Stundenlang an einem See sitzen und die Tiere beobachten. Das möchte ich mit meiner Frau erleben. Zwei, drei Wochen weg vom bayerischen Alltag.“

Wie ihm das wohl bekommt?

„Das ist ja richtig schön hier“, staunt Sepp Mißlbeck im Klenzepark.